Herzlich Willkommen!

Wir freuen uns über Ihr Interesse an der Zukunft. Immer zum ersten Tag eines Monats hinterfragen wir hier Entwicklungen, Ideen, Visionen oder auch ganz pragmatische Ansätze zu einer lebenswerten Zukunft. Wir sind gespannt auf Ihre Kommentare!



Sonntag, 1. Oktober 2017

Gelassenheit & Leiden - geht das gleichzeitig?

Wie gehen Sie damit um, wenn Sie jemanden anderen leiden sehen, einen Kollegen, ein Familienmitglied oder einen Freund? Wie geht Ihnen in solchen Situationen?
Uns geht's damit schlecht. Und uns fällt es schwer, ein gutes Maß zu finden von Mitgefühl, Hilfsangeboten, Unterstützung, den-Mund-halten, tolle Vorschläge machen, und plappern, um die Stille zu vertreiben.

Wir haben einen Brief gefunden -  ursprünglich aus dem privaten Umfeld - gleichwohl denkbar im Beruf: ein Kollege, der an Depression oder Krebs erkrankt ist oder den Tod einer geliebten Person ertragen muss...

"Liebes (Selbst/ Familienmitglied/ armes feygele, armes schwarzes Katzengeschöpf). Ich kann niemanden, den ich mag (leiden/weinen) sehen, ohne zu denken, dass es immer einen Weg gibt und ich ihn finden muss, indem ich (mich mehr anstrenge/ nach Lourdes pilgere/ Geld für einen Psycho-Analytiker auftreibe). Aber ich weiß, dass das nicht stimmt. Ich werde versuchen, Dein Leid, wenn möglich, zu lindern, indem ich (für Dich da bin/ eine bunte Afroperücke trage/Dir witzige Bücher schenke/eine große Portion Eis mit Dir verschlinge). Aber wenn das nichts bringt, heißt das nicht, das Du oder ich versagt haben. Ich werde Dich dafür bewundern, dass Du es schaffst, weiterhin (zu duschen/ den Müll runterzubringen/ einen neuen Tag in Angriff zu nehmen).“

Unserer Meinung nach verdeutlicht der Brief zwei Perspektiven - und ist für beide hilfreich - im Sinne von "entlastend":
  • Angesprochen wird der, der leidet - und noch dazu vielleicht mit sich selber hadert, nicht genug/ nicht "das" Richtige getan zu haben.
  • Und der, der beim leiden zusehen muss, kann ausdrücken, wie schlecht es ihm damit geht - wissend dass er nichts daran ändern kann.
Der Psychiater Michael Bennett und seine Tochter Sara haben diesen Brief in ihrem Buch „Fuck Feelings" veröffentlicht - und wir fanden ihn in "Am Arsch vorbei geht auch ein Weg. Wie sich Dein Leben verbessert, wenn Du Dich endlich locker machst“ von Alexandra Reinwarth.

Aber wir wollen Sie nicht zum Lesen animieren sondern dazu, miteinander zu sprechen. Wir wünschen Ihnen und uns gutes Gelingen bei anstehenden leidvollen - und gelassenen - Gesprächen.

Freitag, 1. September 2017

Lust auf schwierige Entscheidungen

Der September ist Wahlmonat! Wissen Sie schon, welcher Partei Sie Ihre Stimme geben? Vielleicht keine leichte Entscheidung. Für uns war das Anlass, einem Vortrag von Ruth Chang in den TED-Talks Aufmerksamkeit zu schenken. Sie philosophiert darüber, wie man schwierige Entscheidungen trifft.
In der Welt der Zahlen-Daten-Fakten können wir Entscheidungen treffen, indem wir ausreichende Informationen über die Messgrößen haben und miteinander vergleichen können, größer - kleiner - gleich.
Schwierige Entscheidungen zeichnen sich dadurch aus, dass es keine beste sondern nur gleichwertige ("on a par") Lösungen gibt. Genau darin liegt die Chance: es gibt keine Gründe von außen, sondern wir finden die Gründe selber in uns, wir formulieren aus unseren Werten heraus die Gründe für oder gegen eine Entscheidungsoption.
Jede schwierige Entscheidung ist damit Ausdruck unserer Persönlichkeit und entwickelt gleichzeitig unsere Persönlichkeit weiter.

Also - wir freuen uns auf die nächsten schwierigen Entscheidungen!

PS als praktischer Hinweis zu den TED-Talks: Sie können deutsche Untertitel wählen, wenn Sie auf das Sprechblasen-Symbol klicken.

Dienstag, 1. August 2017

Mobbing - muss das sein? Nein!

Lieber Günther,

wir haben Deine Geschichte in der Sendung QuaksUndCo gehört. Was da passiert ist, ist ja ein schwerer Einstieg ins Berufsleben. Wir haben uns alle drei Persepktiven auf diese Mobbing-Situation angesehen: Deine, die von Heinz und die von Peter auch, und wir hoffen, dass viele Leute im Urlaub Zeit haben, mehr auf dieser interessanten Seite zu stöbern.

Hättest Du das alles mal vorher gewusst, hättest Du viel früher reagieren können und alles wäre anders gekommen. Hätte Hätte Fahradkette!

Aber für's nächste Mal sind wir dank Deiner Geschichte klüger. Wir wissen jetzt, dass wir wir aussprechen sollten, wenn wir meinen, "hier stimmt was nicht". Oder wenn etwas ganz anders läuft, als wir uns das vorstellen. Oder wenn sich uns gegenüber jemand komisch verhält. Oder wenn wir beobachten, dass sich Kollegen permanent piesacken. Oder wenn Spannungen zwischen Positionen zu Spannungen zwischen Personen werden.

Ja, das erfordert Courage! Wir können nicht darauf hoffen, dass die Führungskraft alles richtet. Natürlich sollte sie einen "Raum einrichten", sich also so verhalten, dass man sich vertrauensvoll an sie wendet und keine Nachteile befürchtet. Wenn wir uns an die eigene Nase packen und uns in Deine - Lieber Günther - Situation versetzen, hätten wir bestimmt auch darauf gehofft, uns mal ein Kollege gefragt hätte, was eigentlich los ist - das kann Türen öffnen. Alleine schon diese Frage kann Unstimmigkeiten ans Licht bringen, bevor sie sich zu handfesten Konflitken entwickeln oder gar erkalten - erkaltete Konflikte, das wissen wir jetzt, sind der perfekte Nährboden für Mobbing.

Wir erinnern uns an Ruth Cohn und ihre Prinipien: "Jeder ist seine eigene Chairperson!" und "Störungen haben Vorrang!" Selber die Unstimmigkeit ansprechen, ist auch wertvoll!

Vielen Dank für Deine Geschichte,
und wir wünschen Dir einen erholsamen Sommer!

Samstag, 1. Juli 2017

Ärgernisse weglachen

Haben Sie schonmal "Lachyoga" ausprobiert, liebe Leser?

Eine von uns kam neulich in Bielefeld in den Genuss - es tat gut - und die Neugier war geweckt. Eine kurze Internet- und Buch-Recherche zeigt, dass es zurückgeht auf den indischen Arzt Madan Katarina, der es 1995 entwickelte. Es gibt die Wissenschaft der "Gelotologie" (gélōs ist griechisch: das Lachen) und in der ZEIT wurden 2011 bereits einige Forschungsergebnisse in einem Artikel zusammengefasst. "Das kleine Lachyoga Buch" von Christoph Emmerich enthält diese Informationen auch und beschreibt einfache Übungen- falls Sie nicht schon auf YouTube bei Madan Katarina gerade gestöbert haben. Die Eine von uns wird dranbleiben - fragen Sie sie beim nächsten Treffen ;-)

Lachyoga hat nichts mit Witzen zu tun, gleichwohl können wir uns nicht verkneifen, Ihnen auch noch etwas Witziges anzubieten in diesem Post: Vielleicht ärgern Sie sich manchmal so wie wir über unzählige Spam-Mails, die Ihr Postfach überschwemmen? In dem Video zeigt James Veitch eine sehr kreative Art, auf unseriöse Mail-Angebote einzugehen. :-)

Donnerstag, 1. Juni 2017

Lösungen lauern überall

Unsere letzten zwei Posts war lang - und dieser wird ganz kurz: Wir haben ein Monats-Motto im Angebot.

Bernd Isert, der leider Anfang 2017 verstorben ist, wird immer wieder gerne zitiert: "Lösungen lauern überall." Mit diesem Optimismus gehen wir in in Juni - und wir wünschen Ihnen liebe Leser einen Monat voller gelöster Herausforderungen.

Montag, 1. Mai 2017

Es grünt so grün

Wenn Sie baden - in was baden Sie? Im Bad, in der Badewanne, im Schwimmbecken, in Klängen ...  oder im Wald? In dem Buch  "Wunder wirken Wunder" von Ekkehard von Hirschhausen haben wir vom japanischen Waldbaden gelesen, sind der Spur im Netz gefolgt und fanden u.a.
  • ein Interview im schweizerischen TagesAnzeiger mit dem deutschen Psychotherapeuten Hilario Petzold, der seit vielen Jahren mit der Integrativen Therapie Erfolg hat, weil er die menschliche Neugier anstachelt, in Gruppen die Welt zu entdecken. Sein Statement: Neugier ist ein stärkerer Antrieb als Sexualität und Aggression. Garten- und Tiertherapie ist fester Bestandteil. Er verweist auf Studien, die belegen, "dass regelmässige Spaziergänge in Nadelwäldern das Immunsystem positiv beeinflussen".
  • Inga Schmidt hat eine eigene Seite zum Waldbaden gestaltet. Dort lässt sich eine Unterseite mit  Erklärungen finden.
  • Und wer lieber fernsehen als lesen mag kann auf der Homepage von Annette Bernjus einem Hinweis zu einer ZDF-Sonntagssendung im April folgen: Von Minute 8:05 bis Minute 13:05 geht es um das Waldbaden. Dazu gibt es von ihr auch den Hinweis auf das Lied "einfach wieder schlendern" von Konstantin Wecker - für die, die lieber hören.
Wann sind Sie zuletzt im Wald geschlendert?

Samstag, 1. April 2017

Sekunde der Reibung

Eine Sekunde
ein kurzer Moment
oder musikalisch
das Intervall zwischen 2 benachbarten Tonstufen

video


und wie das klingt, hören Sie hier.
schillernd, reibend, disharmonisch

Genau das brauchen Hochleistungsteams - behaupten Christian Scholz und Albert Schmitt in ihrem Buch "Hochleistung braucht Dissonanz", das wir ja bereits in unserem Februar-Post angekündigt hatten. Der eine ist BWL-Professor in Saarbrücken und der andere Geschäftsführer der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen.

Was spricht uns an dem Buch an?
Ein ungewöhnliches Orchester eröffnet einen tiefen Einblick in seine Arbeit und geht der Frage nach: Was alles braucht ein Team, um dauerhaft Hochleistung zu bringen? Die Antwort fanden sie in einem Forschungsprojekt zur internen Organisationsentwicklung - und formulierten daraus ihren  genetischen Code für Hochleistung.
Und wer jetzt glaubt, es ginge um die Metapher, dass eine Führungskraft wie ein Dirigent sein soll, ist hier auf dem Holzweg. Davon sind die Autoren - zum Glück - meilenweit entfernt und begründen genau das Gegenteil.

Welche zentrale Aussage hat das Buch - aus unserer Sicht?
Um dauerhaft Hochleistung zu bringen, muss ein Team Widersprüche erzeugen und Widersprüche nutzen können. Diese fünf Widersprüche bilden den genetischen Coade ab:
  • Notwendigkeit und Sinn
  • Hierarchie und Demokratie
  • Perfektion und Abenteuer
  • Energie und Konzentration
  • Erfolg und Spaß
Die Autoren beschreiben diese Widersprüche als 5 Sekunden - die Sekunde verstanden im musikalischen Sinn als disharmonischer Abstand zwischen 2 naheliegenden Tönen. Sie erklären die Sekunden umfangreich tief, in Bezug zur aktuellen Forschung und mit vielen Beispielen aus dem Orchesterleben. Und das macht Lust darauf, dem Orchester zuzuhören oder die eigenen Teams unter die Lupe zu nehmen.

Was haben wir für uns daraus mitgenommen? 
Hinter jeder Sekunde verbirgt sich viel mehr, als es auf dem ersten Blick den Anschein macht. Daher haben wir uns für kleine Appetitt-Happen aus dem 5-Sekunden-Modell entschieden. 
  • Notwendigkeit und Sinn
    Notwendigkeiten und Stakeholder erkennen, akzeptieren und mit den Zielen balancieren, die sich aus dem gemeinsamen Verständnis der Teamexistenz und den individuellen Zielen speisen.
  • Hierarchie und Demokratie
    Ein Hochleistungsteam bestimmt automatisch den Wechsel von Demokratie zu Hierarchie und und zurück; mal das Eine, mal das Andere im Fokus. Das Orchester spielt hervorragend mit und ohne Dirigent.
  • Perfektion und Abenteuer
    Rücke nie vom Ziel der 100%-Lösung ab. Der Kampf um Perfektion darf sich nicht zur Frage "perfekt oder rechtzeitig" verkürzen. Hochleistungsteams brauchen nicht nur Leistungsziele - sie brauchen auch anspruchsvolle Lernziele. Wirkliche Improvisation im Hochleistungsteam bedeutet, sich einzulassen auf das Abenteuer, an die Grenzen zu gehen.
  • Energie und Konzentration
    Energie kommt von den Musikern, vom Dirigenten und ihre inspirierenden Interaktion. Hochleistungsteams müssen sich auf Unterschiedlichkeit konzentrieren und daraus Energie entwickeln. Energie gewinnen und vermehren und gleichzeitig fokussieren und bündeln
  • Erfolg und Spaß
    Erfolg und Spaß als Fundament der Organisationskultur. Zielt auf das Normen- und Werte-System des Teams. Ist Spaß nur noch Ersatz für Erfolg, geht die Hochleistung verloren.
Die meisten Teams, mit denen wir in den letzten Jahren zusammen gearbeitet haben, erleben Widersprüche als belastend und ermüdend. Der belebende Aspekt erscheint unmöglich. Teams gehen Widersprüchen eher aus dem Weg , entscheiden sich für einen Pol und resignieren auf dem entgengesetzen Pol.
Zum Beispiel standardisieren und perfektionieren sie ihre Prozesse, gönnen sich aber keinen Raum für kreative Abweichungen. Oder sie argumentieren ausschließlich mit den Notwendigkeiten, denen sie "unterworfen" sind, und vergessen die Frage nach dem Existenzgrund und dem Sinn ihres Handelns.


Weshalb widmen wir diesem Buch einen post?
Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen bietet das 5-Sekunden Modell als Managementtraining an. Die Teilnehmer erleben zusammen mit dem Orchester die 5-Sekunden und können unmittelbar von dem Orchester lernen, wie sich kreatives Denken und Handeln anfühlen kann.